Warum all das Ächzen und Stöhnen beim Training? Für die Atmung spielen diese Geräusche eine grosse Rolle und richtiges Atmen ist eine Voraussetzung für erfogreiches Training, besonders wenn man mit Maximalgewichten trainiert. Allerdings überschreitet das Ächzen und Stöhnen, das man im Studio hört, das Mass des Notwendigen oft ganz erheblich. Bei eingehender Betrachtung dieses Phänomens wird man erkennen, warum.
Stöhnen und Ächzen hilft bei der Überwindung des schwierigsten Punkts einer Bewegung. Da man beim Anheben eines hohen Gewichts die Luft anhält, wird mit diesen Geräuschen der Druck im Brustkorb gesenkt.
Wird der Druck im Brustkorb sehr stark, so schliessen sich die Blutgefässe und der Blutzufluss von und zum Herzen ist blockiert. Wenn dieser Zustand lange genug anhält, wird der Druck so stark, dass man bei einer Übung das Bewusstsein verlieren kann. Man kann sich vorstellen, dass dies unter anderen gefährlich werden kann.
Um Bewusstlosigkeit und andere negative Folgen zu lange angehaltenen Atems bei hoher Belastung zu verhindern, muss man Druck ablassen. Dabei entstehen die Geräusche, die an mittelalterliche Folterkammern erinnern. Stöhnen und Ächzen verringern den Druck im Brustkorb. Wenn man einen Schrei ausstösst, verschafft man sich noch raschere Erleichterung.
Nehmen wir beispielsweise das Bankdrücken. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich mit 90 % Ihres Maximalgewichts in der Ausgangsposition. Sie atmen tief ein. Dann beginnen Sie, das Gewicht in die Höhe zu drücken, und halten dabei automatisch die Luft an. Dadurch versteift sich Ihr Brustkorb und die Brustmuskeln spannen sich. Die Muskelspannung wird beim Aufwärtsdrücken der Langhantel immer grösser und der Druck im Brustkorb steigt. Dieser Druck hängt im Allgemeinen unmittelbar von der Höhe des Trainingsgewichts ab; je höher das Gewicht, desto tiefer atmen Sie ein und desto stärker wird der Druck.
Wird der Druck im Brustkorb stark genug, so bewirkt er den Verschluss der Blutgefässe. Man kann bei anderen sehen, wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist. Die Adern am Kopf und am Kopf beginnen dann, deutlich hervorzutreten.
Wenn Sie das Gwicht weiter aufwärts drücken, erreichen Sie möglicherweise einen toten Punkt, besonders bei den letzten Wiederholungen. Je kräftiger Sie drücken, desto stärker steigt der Druck im Brustkorb. An diesem Punkt müssen Sie einfach Druck ablassen oder die Konsequenzen tragen.
Sie verschaffen sich mit Ächzen und Stöhnen Erleichterung. Jedoch, wenn Sie zuviel Druck ablassen, verlieren Sie die Spannung im Brustkorb. Sie können das Gwicht nicht weiterbewegen und Ihr Trainingspatner muss Ihnen zu Hilfe kommen.
Wenn Sie den kritischen Punkt ohne oder mit nur geringem Luftausstoss überwinden, werden Sie die Bewegung auch noch erfolgreich abschliessen können. Aber bedenken Sie, dass im Brustkorb immer noch hoher Druck herrscht. Sie müssen möglichst rasch etwas von diesem Druck ablassen, und das geht nicht geräuschlos.
Das Stöhnen und Ächzen ist also wichtig und nützlich - an einem bestimmten Punkt. Vor oder nach der Bewegung ist es sinnlos. Ächzen und Stöhnen dient lediglich der Reduzierung des Drucks am kritischen Punkt oder, wenn Sie den schwierigsten Punkt eines Bewegungsablaufs gerade überschritten haben. Wenn Sie während der Bewegung laut keuchen oder stöhnen, werden Sie diese Bewegung nicht erfolgreich abschliessen können. Achten Sie beim Training mit extrem hohen Gewichten auf jeden Fall darauf, dass ein Trainingspartner als Hilfestellung bereitsteht. Allerdings sollte er nur im Notfall eingreifen. Es wäre falsch, wenn Sie ein Gewicht nur mit der Unterstützung Ihres Partners in die Höhe brächten. Wenn Sie sich da immer von Ihrem Trainingspartner helfen lassen, könnten Sie Ihre natürlichen Fähigkeiten nicht voll entwickeln und Sie gewinnen eine falsche Vorstellung von Ihrem Können. Anstatt laut nach Hilfe zu rufen, sollten Sie sich lieber von Anfang an weniger Gewicht auflegen.
Ausserdem nehmen Ihnen extrem oder übertrieben hohe Gewichte Ihre Elastizität.
Noch ein paar Worte über das Atmen: Es ist überaus wichtig, niemals mitten in einer Bewegung mit maximalem Gewicht stark auszuatmen, Ihr Brustkorb verliert dann seine Spannung, bricht praktisch zusammen, und das ganze Gewicht wird auf Sie herunterkrachen.
Geräuschvoller Luftausstoss ist nur am toten Punkt oder in der schwierigsten Phase einer Bewegung sinnvoll. Bei richtiger, konstruktiver Nutzung wird weder Stöhnen noch Ächzen die anderen im Studio von ihrem Training ablenken.