Warum genau sind Frauen schwächer? Diese Tatsache führen viele auf hormonelle Unterschiede zurück, und das ist ganz sicher nicht von der Hand zu weisen. Männer haben grosse Mengen anaboler Hormone im Körper, wie beispielsweise Testosteron, während der Hormonhaushalt von Frauen nur geringe Mengen solcher Hormone aufweist. Seit Jahren weiss man, dass anabole Hormone weitgehend für grössere Muskeln und niedrigeren Fettanteil verantwortlich sind.
Um die physiologisch bedingten Unterschiede zwischen Frauen und Männern hinsichtlich Kraft und Grösse besser verstehen zu können, ist es angebracht, einmal einen Blick darauf zu werfen, wie Menschen wachsen und reifen. Bis zum Alter von 13 oder 14 Jahren sind Mädchen im Durchschnitt etwa gleich gross oder grösser als Jungen und dasselbe gilt für das Körpergewicht.
Wir alle wissen, dass Mädchen früher reifen als Jungen. Aber das bedeutet nichts anderes, als dass sie lange vor den Jungen aufhören zu wachsen. Mädchen kommen mit ca 11 Jahren in die Pubertät und werden in nur drei bis vier Jahren körperlich erwachsen. Dagegen kommen Jungen einige Jahre später in die Pubertät und ihr Wachstum kann sich über die Teenagerjahre fortsetzen. Das heisst, sie durchlaufen 6 - 8 Jahre kontinuierlichen Wachstums - etwa doppelt so lange wie Mädchen.
Die Lebenserwartung in den Anfängen der Menschheit war nach heutigen Maßstäben sicherlich äusserst niedrig. Die Menschen wurden nur vielleicht 19 bis 20 Jahre alt. Deshalb mussten Frauen so früh wie möglich Kinder bekommen, etwa mit 12 bis 14 Jahren, auch wegen der hohen Säuglingssterblichkeit.
Die körperlichen Bedürfnisse schwangerer Frauen stehen immer im Konflikt mit denen des werdenden Lebens in ihrem Leib. Vom evolutionären Standpunkt ist es also wesentlich sinnvoller, wenn das Wachstum 13jähriger Mütter abgeschlossen ist, damit ihr Körper seine ganze Kraft dem Überleben und Wachstum des Fötus widmen kann.
Natürlich ist Evolution immer eine Frage der Notwendigkeit. Und in diesem Fall bestand die Notwendigkeit darin, möglichst früh und möglichst viele Kinder gebären zu können. Wenn man bedenkt, was auf dem Spiel stand, nämlich nicht weniger als das Überleben der Menschheit, so scheint der Preis eines früher abgeschlossenen Muskelwachstums bei einem der Geschlechter nicht zu hoch zu sein.